Ich hatte sieben bis acht Prozent Körperfett. Ich trainierte täglich. Ich aß kaum Kohlenhydrate – keine Nudeln, kein Brot, Karotten nur in Maßen, weil zu viel Zucker.
“Du bist ja wahnsinnig diszipliniert.”
Diesen Satz habe ich damals oft gehört. Und ehrlich? Ich war sogar ein bisschen stolz darauf. Ich war fest davon überzeugt, genau so macht man das.
Was ich nicht hatte?
Meine Periode, seit Jahren. Das verrückte ist, dass ich es damals nicht hinterfragt habe.
Was viele von uns denken
Keine Periode bedeutete für mich damals: Praktisch. Kein Zyklus. Keine Beschwerden. Kein Thema.
Heute weiß ich, es war eines der deutlichsten Warnsignale, die mein Körper mir überhaupt schicken konnte. Ich habe sie nur nicht verstanden.
Was wirklich passiert war: LEA
Erst Jahre später habe ich gelernt, was damals passiert ist. Mein Körper war in einem Zustand, den man heute LEA nennt. Low Energy Availability. Relatives Energiedefizit.
Mein Körper hatte schlicht nicht genug Energie. Nicht, weil ich hungerte, eine Essstörung hatte. Sondern weil zwischen dem, was ich täglich verbraucht habe, und dem, was ich gegessen habe, dauerhaft eine Lücke bestand.
Ich habe täglich Freeletics gemacht, ein Unternehmen mit 18 Mitarbeitenden geführt und gleichzeitig versucht, mit möglichst wenig Energie auszukommen.
Mein Körper hat rationiert.
Und Reproduktion war das erste, was er abgeschaltet hat.
Die Symptome, die ich nicht zuordnen konnte
Jeden Nachmittag bin ich dann komplett eingebrochen. Brain Fog. Keine Konzentration. Gereizt. Emotional. Ständig erschöpft.
Damals habe ich gedacht: Das liegt am Job. Heute weiß ich: Es lag daran, dass mein Körper im Energiesparmodus lief.
Was LEA und RED-S wirklich anrichten
Keine Periode ist nicht einfach keine Periode.
Eine dauerhaft niedrige Energieverfügbarkeit kann den gesamten Körper beeinflussen – von der Hormonproduktion über die Knochengesundheit bis hin zum Immunsystem, Herz-Kreislauf-System und der Leistungsfähigkeit.
Im Sport spricht man in diesem Zusammenhang häufig von RED-S – dem Relative Energy Deficiency in Sport Syndrom.
Das Problem ist dass viele Frauen sich darin nicht wieder erkennen: Sie funktionieren. Sie trainieren. Sie leisten.
Und halten genau das für gesund.
Was mich rausgebracht hat
Die Lösung war nicht komplett mit Training aufzuhören.
Der Wendepunkt war Verständnis.
Ich habe die Trainingsintensität reduziert. Ich habe direkt nach dem Aufstehen etwas gegessen, anstatt stundenlang zu warten. Ich habe rund ums Training bewusst Kohlenhydrate eingebaut.
Und ich habe aufgehört, ständig mehr Energie zu verbrauchen, als ich meinem Körper gegeben habe.Die Veränderung kam nicht über Nacht, doch mein Körper hat angefangen mir wieder zu vertrauen.
Warum ich das hier schreibe
Weil ich weiß, wie leicht man Leistung mit Gesundheit verwechseln kann.
Ich hab mich da rausgecoacht. Mit Wissen, mit Kraft, mit mehr essen – nicht weniger.
Wenn du dich in dieser Geschichte wiedererkennst, bist du nicht alleine.
Es gibt einen Weg raus.
Nicht über mehr Disziplin, sondern darüber, deinem Körper endlich wieder genug Energie zu geben, damit er das tun kann, was er eigentlich schon immer wollte:
Für dich arbeiten, nicht gegen dich.
