Nina wurde am 24. Juni operiert. Endometriose, Adenomiose. Zwei Herde entfernt, Gebärmutter raus.
Eine Woche nach der Operation stand Nina bei mir im Studio. Nicht zum Trainieren. Zum Atmen. Zum Ankommen. Und um mir zu erzählen, wie sich ihr Körper plötzlich anfühlt.
Was sie mir in dieser Stunde erzählt hat, war ehrlicher als alles, was ich über Recovery gelesen habe.
Das Erste was sie gesagt hat
Meine erste Frage war ganz einfach: “Wie fühlst du dich?”
Sie hat keine Sekunde überlegt.
„Ich fühle mich so leicht auf einmal, so entspannt. Ich habe so viel Energie und muss mich die ganze Zeit zügeln, dass ich nicht rumspringe und Bäume ausreiße.”
Eine Woche nach einer Bauchoperation. Vier kleine Narben. Der Körper mitten in der Heilung. Und trotzdem spricht sie von Leichtigkeit. Das klingt im ersten Moment unglaublich.
Ist es aber gar nicht.
Wenn ein Körper jahrelang jeden Tag gegen Schmerzen arbeitet, kostet das Energie. Unfassbar viel Energie. Fällt dieser Dauerstress plötzlich weg, fühlt sich das, was für andere normal ist, auf einmal unglaublich leicht an.
Die erste Nacht ohne Schmerzen
Vor der Operation habe ich Nina gefragt: „Was wünschst du dir?” Ihre Antwort war erstaunlich bescheiden: Nicht schmerzfrei für immer. Nicht geheilt. Sondern nur eine Nacht durchschlafen.
Nach der OP hat sie mir erzählt: „Ich habe sieben Stunden am Stück geschlafen. Ich musste nachts zwar aufstehen, aber ich hatte keine Schmerzen. Danach habe ich erst einmal eine halbe Stunde geweint.”
Ich habe sie gefragt, wann sie das zuletzt erlebt hat. Sie wusste es nicht mehr. Und genau das hat mich beschäftigt.
Wie viele Dinge gewöhnen wir uns an, weil wir glauben, sie seien normal?
Was die Chirurgin gesehen hat
Nina erzählte mir, was Frau Dr. Kubiak ihr nach der OP gesagt hat. Einer der Momente in unserem Gespräch, die mich am meisten beschäftigt haben. Als sie die Endometriose rausgeschnitten hat, hat sie gesehen, wie sich das Gewebe direkt entspannt. Sichtbar. Sofort.
„Sie meinte, die Endometriose zieht alles zusammen wie ein Spinnennetz. Und sobald sie entfernt wurde, hat sich das Gewebe sichtbar gelöst.”
Als Trainerin musste ich sofort an chronische Muskelspannung denken. Löst man die eigentliche Ursache, entspannt sich oft nicht nur eine Stelle. Der ganze Körper reagiert.
Genau so hat Nina ihre erste Woche beschrieben.
Was sich sonst verändert hat
Schmerzfrei auf die Toilette gehen. Ohne Krämpfe schlafen. Nicht jeden Nachmittag erschöpft auf dem Sofa liegen.
Es klingt nach Kleinigkeiten, doch für Nina sind es Dinge, die sie seit Jahren nicht mehr erlebt hat. Auch ihr Bauch fühlt sich anders an. Noch nicht flach. Noch nicht vollständig verheilt. Aber dieses harte, gespannte Gefühl, das sie über Monate begleitet hat, ist verschwunden.
„Ich bin gespannt, wie mein Sexleben wird. Jetzt weiß ich endlich, warum Sex so oft wehgetan hat.”
Schmerzen beim Sex gehören zu den häufigsten Symptomen einer Endometriose. Und trotzdem sprechen viele Frauen nie darüber.
Was Recovery wirklich bedeutet
Nina hat in dieser ersten Woche nicht trainiert. Wir haben geatmet. Wir haben das Zwerchfell mobilisiert, die Hüfte bewegt, ein paar kleine Spaziergänge geplant und mehr nicht. Und genau das war in dieser Woche das richtige Training. Heilung braucht keinen Leistungsdruck. Sie braucht Zeit.
Was in den ersten Wochen gilt:
Woche 1–2: Atmen, mobilisieren, kurze Spaziergänge. Kein Heben über 2–3 kg. Kein Druck auf den Bauchraum. Osteopathie empfehlenswert – besonders für Zwerchfell und Narbengewebe.
Woche 3–4: Erste sanfte Aktivierung. Dead Bug, Glute Bridge, Clamshell – aber nur wenn kein Druckgefühl im Bauch entsteht. Spaziergänge länger.
Ab Woche 4–6: Langsam wieder Gewichte – 2–3 kg, Bodyweight. Kein intensives Stretching Unterbauch, kein Plank, kein Crunch.
Nach 2–3 Monaten: Je nach Heilungsverlauf wieder normales Krafttraining. Der Beckenboden braucht besondere Aufmerksamkeit – nicht durch aktives Anspannen in der frühen Phase, sondern durch Wahrnehmung.
„Ich würde schon wieder in Richtung Krafttraining kommen wollen. Einen Monat Pause gönne ich mir. Aber wenn ich danach anfange – sanft, aber los.”
Der ehrliche Blick nach vorne
Nina, dass Endometriose nicht einfach verschwindet. Die Operation ist kein Versprechen, dass die Endometriose komplett weg ist. Doch sie ist ein neuer Anfang:
„Innerlich bin ich die ganze Zeit nur am Lächeln. Total happy. Schmerzfrei. Ich schaue mir jetzt erstmal an, wie das die nächsten Wochen ist – aber innerlich bin ich nur am Lächeln.”
Was du mitnehmen kannst
Vielleicht erkennst du dich in manchen Symptomen wieder. Vielleicht wartest du seit Jahren auf Antworten. Dann nimm deinen Körper ernst.
Dokumentiere. Beobachte. Bring deine Geschichte zum nächsten Termin mit.
Und wenn du nicht weißt wo du anfangen sollst:
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Oder komm in die Navigation Session. 75 Minuten, online oder bei mir im FHI. Wir schauen gemeinsam, was in deinem Körper passiert und welche nächsten Schritte Sinn ergeben.
